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GMM Most Lauf 3 & 4

  • vor 2 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Schwierige Bedingungen, mentale Herausforderungen und ein starkes Finale in Most


Vom 12. bis 14. Juni stand in Most (Tschechien) die dritte und vierte Runde der German Moto Masters auf dem Programm. Bereits die Anreise versprach spannend zu werden: Rund 750 Kilometer lagen vor uns und ebenso ungewiss wie die Verkehrslage war auch die Wetterprognose für das Rennwochenende.


Wetterchaos zum Auftakt


Der Freitag stand ganz im Zeichen wechselhafter Bedingungen. Die Strecke präsentierte sich meist irgendwo zwischen trocken und nass – weder Fisch noch Vogel. Entsprechend schwierig war es, die richtigen Entscheidungen bei Reifenwahl und Abstimmung zu treffen.

Am Nachmittag wagte ich mich mit Regenreifen auf die Strecke. Nach wenigen Runden brach ich den Turn jedoch ab. Der eingestellte Regenmodus meiner Kawasaki nahm dem Motor so viel Leistung, dass beim Beschleunigen kaum etwas vorwärtsging. Im anschliessenden Turn mit normaler Abstimmung konnte ich immerhin eine erste Richtzeit von 2:08 Minuten setzen. Insgesamt kam ich an diesem Tag lediglich auf zehn Runden.


Ein Qualifying voller Überraschungen


Am Sonntag startete ich von Position 31 beziehungsweise Platz 27 ohne Gaststarter. Erneut Auch der Samstag begann turbulent. Während der Open Pitlane startete ich erneut mit Regenreifen, brachte diese jedoch nicht richtig auf Temperatur und kämpfte mit zahlreichen Rutschern. Also wurden die Reifenwärmer montiert und auf die angekündigte Regenfront gewartet – die dann gar nicht erschien.

Kurzerhand hiess es: zurück auf Slicks. Kaum war das Motorrad umgebaut, wurde die Open Pitlane abgebrochen und auf Gruppensessions umgestellt. Nach viel Warten blieb nur noch ein letzter Qualifying-Turn. Der Wechsel von Regen- auf Trockenbedingungen gelang mir nicht optimal, und mit einer Bestzeit von 1:53 Minuten reichte es lediglich für Startplatz 29.

Gerade solche Tage sind mental oft deutlich anstrengender, als sie von aussen wirken. Ständig wechselnde Bedingungen, laufende Anpassungen am Motorrad, Warten, Hoffen, Umdenken und wieder neu anfangen. Als Rennfahrerin möchte man performen, Fortschritte machen und schnelle Runden fahren. Doch manchmal besteht die eigentliche Herausforderung darin, flexibel zu bleiben und die Nerven zu behalten, wenn nichts nach Plan läuft.



Starker Start, Rennabbruch und wertvolle Erkenntnisse


Vor dem ersten Rennen nutzte ich einen weiteren Turn, um wieder in den Rhythmus zu kommen. Entsprechend motiviert stand ich am Start – und legte den wohl besten Start meiner bisherigen Karriere hin. Ich schoss förmlich nach vorne und gewann auf den ersten Metern zahlreiche Positionen.

Leider war die Freude nur von kurzer Dauer. Nach zwei Stürzen wurde das Rennen abgebrochen. Es folgte ein Schnellstartverfahren ohne Einführungsrunde, und die Renndistanz wurde von zehn auf acht Runden verkürzt.

Auch der zweite Start gelang gut, wenn auch nicht ganz so spektakulär wie der erste. Ich konnte erneut Plätze gutmachen und mich im Feld behaupten. Nach etwa fünf Runden liessen die Kräfte etwas nach, wodurch zwei Fahrer wieder aufschliessen konnten. In der letzten Runde verlor ich in der vorletzten Kurve noch eine weitere Position. Doch damit wollte ich mich nicht zufriedengeben: In der allerletzten Kurve setzte ich nochmals zum Angriff an und holte mir den Platz direkt zurück.

Mit Rang 19 in der GMM-Wertung und einer Bestzeit von 1:48,3 Minuten überquerte ich die Ziellinie. Die Zeit entsprach zwar nicht ganz meinen Erwartungen, dennoch war es wichtig, unter den gegebenen Umständen das Beste aus dem Rennen herauszuholen.


Endlich trockene Bedingungen


Der Sonntag begann erstmals mit komplett trockenen Verhältnissen. Allerdings sorgte starker und kalter Wind dafür, dass viele gewohnte Bremspunkte nicht mehr funktionierten. Zunächst galt es also, die Strecke neu zu lesen und das Vertrauen wieder aufzubauen.

Gleichzeitig nutzten wir die Trainingssessions, um mein Fahrverhalten mithilfe von Kameras genauer zu analysieren. Dabei zeigte sich insbesondere beim Herausbeschleunigen und bei der Linienwahl noch einiges an Potenzial. Trotz dieser Erkenntnisse konnte ich bereits am Vormittag konstant Zeiten im Bereich von 1:48 bis 1:49 Minuten fahren.

Für das zweite Rennen entschied ich mich deshalb, den SC0-Hinterreifen zu montieren, den ich vor dem Wochenende geschenkt bekommen hatte. Aufgrund meiner Rennrunde vom Samstag durfte ich von Startplatz 25 ins Rennen gehen – vier Positionen weiter vorne als am Vortag.


Wochenendbestzeit und so nah an den Punkten wie noch nie


Mit neuem Selbstvertrauen, frischen Erkenntnissen und dem neuen Reifen ging ich hoch motiviert an den Start. Das Ziel war klar: erneut einen guten Start erwischen und möglichst viele Plätze gutmachen.

Genau das gelang. Bereits auf den ersten Metern konnte ich mehrere Konkurrenten überholen und in der ersten Runde weitere Positionen gewinnen. Anfangs hielt ich den Anschluss an die Gruppe vor mir, musste diese später jedoch etwas ziehen lassen. Gegen Rennende fand ich nochmals einen starken Rhythmus, schloss die Lücke zu zwei Fahrern vor mir und verteidigte gleichzeitig meine Position gegen eine weitere Kawasaki im Nacken.

Am Ende wurde die harte Arbeit des gesamten Wochenendes belohnt. Mit einer Wochenendbestzeit von 1:46,5 Minutenund Rang 16 überquerte ich die Ziellinie. Zwar verpasste ich die Punkteränge um lediglich einen Platz, doch noch nie zuvor war ich den ersten Meisterschaftspunkten so nahe. Die Freude überwog deshalb klar – dieses Resultat zeigt, dass wir uns Schritt für Schritt in die richtige Richtung entwickeln.


Mehr als nur Rundenzeiten


Rennwochenenden werden oft anhand von Resultaten, Platzierungen und Rundenzeiten bewertet. Doch manchmal erzählen diese Zahlen nur einen Teil der Geschichte.

Dieses Wochenende hat mir einmal mehr gezeigt, wie viel Energie der Rennsport nicht nur körperlich, sondern auch mental fordert. Wenn Wetter, Zeitplan und Bedingungen ständig wechseln, kostet jede Entscheidung Kraft. Irgendwann ist der Akku nicht nur beim Motorrad, sondern auch im Kopf etwas leerer.

Gerade dann ist es menschlich, nicht jederzeit die absolute Höchstleistung abrufen zu können. Entscheidend ist, wie man mit solchen Situationen umgeht. Dieses Wochenende verlangte mir viel ab – körperlich, aber vor allem mental. Umso stolzer bin ich darauf, dass wir nie aufgegeben, stets nach Lösungen gesucht und uns kontinuierlich gesteigert haben.

Nicht jedes erfolgreiche Wochenende endet mit einem Podest oder Punkten. Manchmal besteht der grösste Erfolg darin, trotz schwieriger Umstände dranzubleiben, wertvolle Erfahrungen zu sammeln und am Ende zu spüren, dass der eingeschlagene Weg stimmt. Genau dieses Gefühl nehme ich aus Most mit.


Fazit


Most war ein Wochenende voller Wetterkapriolen, Reifenwechsel, Rennabbrüche, Anpassungen und wichtiger Erkenntnisse. Gleichzeitig war es aber auch ein Wochenende, das gezeigt hat, wie wichtig Geduld, mentale Stärke und Flexibilität im Motorsport sind.

Mit einer starken Rennleistung am Sonntag, einer Wochenendbestzeit von 1:46,5 Minuten und dem bisher knappsten Abstand zu den ersten Meisterschaftspunkten verlasse ich Most mit einem sehr guten Gefühl.

Ein grosses Dankeschön geht an alle Unterstützerinnen und Unterstützer, Sponsoren, Helfer sowie an meinen 100er Club für die Motivation und das Mitfiebern von zuhause aus. Ich freue mich bereits jetzt auf die nächsten Rennen.


Fotos von Benny Kätzmer



 
 
 

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