GMM Oschersleben – Läufe 9 & 10
EIN LETZTES MAL ALLES GEBEN – UND GENIESSEN.
Oschersleben, 10.–12. September 2026
Das letzte Rennwochenende der German Moto Masters 2026.
Irgendwie verrückt, wie schnell diese Saison vorbeigegangen ist. Gerade erst stand ich beim ersten Rennen des Jahres am Start – und plötzlich hiess es in Oschersleben bereits ein letztes Mal: Helm auf, Visier zu und raus auf die Strecke.
Natürlich wollte ich schneller werden. Natürlich wollte ich nochmals zeigen, was geht.
Aber mindestens genauso wichtig war mir an diesem Wochenende etwas anderes:
Spass haben.
Nicht alles zerdenken. Nicht ständig nur auf Zeiten und Platzierungen schauen. Sondern noch einmal ganz bewusst dieses Grinsen unter dem Helm geniessen und mich daran erinnern, weshalb ich das alles überhaupt mache.
Die Motorsport Arena Oschersleben kannte ich bis dahin kaum. Ich war erst einmal dort gefahren – vor zwei Jahren – und meine bisherige Bestzeit lag bei 1:41.658.
Also: lernen, schneller werden, Spass haben.
Und schauen, was passiert.
Fotos von Benny Kätzmer
Freitag – das Grinsen war zurück
Der Freitag startete richtig gut.
Bereits im ersten Turn fühlte ich mich wohl auf dem Motorrad und konnte relativ schnell wieder Vertrauen zur Strecke aufbauen.
Und dann war da noch etwas, das fast genauso wichtig war wie jede Rundenzeit:
Das Schütteln bzw. Stempeln am Vorderrad, das mich während der letzten Monate so intensiv beschäftigt hatte, war nicht mehr vorhanden.
Endlich.
Ich konnte mich wieder darauf konzentrieren, Motorrad zu fahren – und genau das machte richtig Spass.
Durch die Gruppeneinteilung und viel Verkehr war es nicht immer einfach, wirklich freie Runden zu erwischen. Trotzdem konnte ich mich Turn für Turn an die Strecke herantasten.
Am Abend ging es nochmals zu Fuss auf die Strecke. Trackwalk, Linien anschauen, Bremspunkte analysieren und herausfinden, wo noch Zeit liegen könnte.
Je länger das Wochenende dauerte, desto mehr kam dieses Gefühl zurück:
Genau dafür mache ich das.
Samstag – die 40 ist gefallen
Den ersten Turn am Samstagmorgen liess ich aus. Es war kalt und für mich machte es wenig Sinn, unter diesen Bedingungen unnötig etwas zu riskieren.
Im nächsten Turn wollte ich dafür angreifen.
Nach einer Boxendurchfahrt kühlten die Reifen allerdings stärker aus als erwartet und in der Schikane wurde es kurz ziemlich ungemütlich, als beim Anbremsen das Hinterrad abhob.
Also wieder sammeln.
Im letzten Turn vor der Mittagspause bekam ich dann endlich eine freie Runde.
Und plötzlich passte alles zusammen.
1:39.895.
Die 40 war gefallen. 🔥
Von meiner alten Bestzeit von 1:41.658 erstmals unter 1:40.
Auf einer Strecke, auf der ich vorher gerade einmal ein Wochenende gefahren war.
Das Grinsen unter dem Helm?
Definitiv vorhanden. 😄
Samstag – Race 1
Für das erste Rennen stand ich auf Startplatz 32 gesamt beziehungsweise P23 in der GMM-Wertung.
Nicht gerade eine Ausgangslage, bei der ich mir grosse Gedanken über irgendwelche Platzierungen machte.
Dann ging die Ampel aus.
Und mein Start war einfach nur genial.
Ich konnte direkt mehrere Positionen gutmachen und fand mich plötzlich deutlich weiter vorne wieder als erwartet.
Ab da war der Plan ziemlich klar:
Türen zu. 😄
Ich fuhr Kampflinie, machte mich breit und versuchte, meine Position irgendwie zu verteidigen.
Das war definitiv nicht die schnellste Art, um Oschersleben zu fahren. Immer wieder musste ich von meiner eigentlichen Linie abweichen, entsprechend litt auch die Rundenzeit etwas darunter.
Trotzdem war die Pace konstant:
Race 1 – Rundenzeiten:
1:46.245 · 1:40.286 · 1:39.907 · 1:40.751 · 1:40.249 · 1:40.341 · 1:40.630 · 1:41.060 · 1:40.201 · 1:40.653
Schnellste Runde: 1:39.907
Ø ohne Startrunde: 1:40.453
Und dann kam die Überraschung.
P16 in der GMM-Wertung.
Von P23 auf P16.
Sieben Plätze nach vorne.
Damit hatte ich absolut nicht gerechnet.
Ich wusste, dass der gute Start, der Rennverlauf und meine Kampflinie dabei eine grosse Rolle gespielt hatten. Aber genau das gehört eben auch zum Rennenfahren dazu.
Und ja – auf dieses Resultat war ich ziemlich stolz.
Gleichzeitig war mir klar:
Das werde ich in Race 2 nicht einfach nochmals wiederholen können.
Zu viel hatte in diesem Rennen perfekt zusammengepasst.
Aber vielleicht war am Sonntag dafür etwas anderes drin.

Fotos von Benny Kätzmer
Sonntag – weniger verteidigen, mehr fahren
Noch einmal Lederkombi anziehen.
Noch einmal Reifenwärmer runter.
Noch einmal in die Startaufstellung rollen.
Das letzte Rennen meiner GMM-Saison 2026.
Und dann ging die Ampel aus.
Mein Start war dieses Mal vielleicht etwas zu motiviert. 😄
Das Vorderrad kam hoch und zwischen Kurve 1 und 3 herrschte erst einmal ordentlich Chaos.
P16 vom Vortag zu wiederholen, war für mich sowieso kein realistisches Ziel.
Also konzentrierte ich mich auf etwas anderes:
meinen Rhythmus fahren.
Keine permanente Kampflinie.
Nicht jede Kurve darauf ausrichten, jemanden hinter mir zu halten.
Einfach fahren.
Und plötzlich zeigte sich ziemlich deutlich, wie viel Pace an diesem Wochenende tatsächlich da war.
Race 2 – Rundenzeiten:
1:45.996 · 1:40.065 · 1:39.836 · 1:39.489 · 1:39.414 · 1:40.037 · 1:39.087 · 1:39.150 · 1:38.918 · 1:39.502
Schnellste Runde: 1:38.918 – neue persönliche Bestzeit. 🔥
Ø ohne Startrunde: 1:39.500
Sieben meiner fliegenden Runden lagen unter 1:40.
Zum Vergleich: In Race 1 war es genau eine.
Im Durchschnitt war ich in Race 2 – ohne die jeweilige Startrunde – fast eine ganze Sekunde pro Runde schneller.
Und genau das war für mich mindestens genauso wertvoll wie eine Platzierung.
Denn Race 1 hatte gezeigt, dass ich kämpfen kann.
Race 2 hat mir gezeigt, dass ich Pace habe.
Und als dann tatsächlich eine 1:38.918 auf der Uhr stand, war auch die 39er-Marke Geschichte.
Von 1:41.658 vor dem Wochenende auf 1:38.918.
Damit hätte ich vorher definitiv nicht gerechnet.
Fazit – genau so wollte ich aufhören
Am Ende beende ich die German Moto Masters 2026 auf Meisterschaftsplatz 27 in der 600er-Klasse.
Mit zwei Meisterschaftspunkten aus Most.
Mit einer komplett unerwarteten P16 in Oschersleben.
Und mit einer neuen persönlichen Bestzeit von 1:38.918.
Aber irgendwie sind es gar nicht diese Zahlen, die mir vom letzten Wochenende am meisten bleiben.
Es ist dieses Gefühl auf dem Motorrad.
Das Schütteln am Vorderrad war weg.
Ich konnte wieder fahren, statt ständig nach einem Problem zu suchen.
Ich konnte kämpfen.
Ich konnte schneller werden.
Und vor allem konnte ich wieder dieses verdammte Grinsen unter dem Helm geniessen. ❤️🔥
Natürlich lief in dieser Saison nicht alles nach Plan.
Ich habe gezweifelt, gesucht, ausprobiert und teilweise vermutlich mehr über mein Fahrwerk nachgedacht als übers eigentliche Fahren.
Aber ich habe auch gelernt.
In Most kamen die ersten Meisterschaftspunkte.
Und in Oschersleben ging es von einer alten PB von 1:41.658 bis auf 1:38.918.
Das ist der Fortschritt, den ich mitnehme.
Ein riesiges Dankeschön an alle, die mich während dieser Saison unterstützt, motiviert und mitgefiebert haben.
Danke an Raschle Racing für das schnelle Liefern der Feder und an Davide und Bruno von ASR Racing für euren Support und Unterstützung rund ums Fahrwerk.
Und natürlich Danke an meine Partner, Sponsoren, meinen 100er Club, Freunde und Familie, die diese verrückte Leidenschaft überhaupt möglich machen.
GMM 2026 – done. 🏁
Und das Wichtigste zum Schluss:
Das Grinsen ist noch da.
Fotos von Benny Kätzmer



Kommentare