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GMM Slovakiaring Läufe 5 & 6

  • vor 13 Minuten
  • 6 Min. Lesezeit

Hitzeschlacht am Slovakiaring – 4,6 Sekunden schneller


Slovakiaring, 17.–19. Juli 2026


Der Slovakiaring und ich werden vermutlich keine grosse Liebesgeschichte mehr. Viele blinde Stellen, nur wenige klare Anhaltspunkte und eine Strecke, auf der mir das Vertrauen nicht gerade geschenkt wird.

Trotzdem reiste ich mit einem klaren Ziel in die Slowakei: Meine bisherige Bestzeit von 2:25.8 sollte fallen – und eine 2:23 wäre für mich ein richtig starkes Ergebnis gewesen.

Dass am Ende eine 2:21.152 auf dem Laptimer stehen würde, hätte ich zu Beginn des Wochenendes allerdings selbst nicht erwartet.


Freitag – Hitzeschlacht mit unerwarteter Zusatzaufgabe


Nach knapp zwölf Stunden Fahrt kamen wir am Donnerstagabend erfolgreich am Slovakiaring an. Die erste Herausforderung wartete bereits bei der Begrüssung: Eine Biene stach mich in den linken Ringfinger.

Der Finger schwoll stark an, liess sich kaum noch bewegen und schmerzte bei jeder Belastung. Nicht ganz optimal, wenn man noch mit Kupplung schaltet.

Auch das Wetter machte es nicht einfacher. Bereits am Morgen lagen die Temperaturen bei rund 27 Grad, um 10 Uhr zeigte das Thermometer schon 30 Grad – kombiniert mit einer hohen Luftfeuchtigkeit. Es war klar, dass dieses Wochenende nicht nur fahrerisch, sondern auch körperlich anspruchsvoll werden würde.

Trotzdem gelang mir bereits im zweiten Turn eine 2:24.5. Damit hatte ich meine bisherige Bestzeit um mehr als eine Sekunde verbessert und war meinem Wochenendziel schon am Freitag sehr nahe gekommen.

Am Nachmittag zeigte mir mein Körper allerdings deutlich seine Grenzen. Nachdem ich in eine langsamere Gruppe eingestuft worden war, liess ich den ersten Turn aus. Im nächsten Versuch musste ich wegen starker Kopfschmerzen frühzeitig abbrechen.

Für den letzten Turn hatte ich ein Instruktorentraining gebucht. Also hiess es: durchhalten.

Das Feedback fiel erfreulich aus. Meine Linienwahl stimmte bis auf zwei beziehungsweise drei Stellen bereits sehr gut. Und die Lösung für die verbleibenden Probleme war ebenso einfach wie herausfordernd: mehr Gas geben.

Unter dem Strich hatte ich aus diesem schwierigen Freitag das Maximum herausgeholt. Nun mussten sich vor allem mein Körper und mein geschwollener Finger möglichst schnell erholen.


Samstag – Das Ziel fällt bereits am Vormittag


Am Samstagmorgen konnte ich nochmals nachlegen. Mit einer 2:23.1 fand ich beinahe eine weitere Sekunde und sicherte mir den 23. Startplatz für das erste Rennen.

Damit war das eigentliche Ziel des Wochenendes bereits erreicht.

Doch im Rennen bin ich meistens schneller.



Rennen 1 – Drei 2:21er-Runden und plötzlich kein Grip mehr


Bereits die Startaufstellung war für mich etwas Besonderes: Ich durfte direkt neben meinem Freund Roy Schmid starten. Gemeinsam im Grid zu stehen, kurz vor dem Start nochmals einen Blick zur Seite zu werfen und dann zusammen ins Rennen zu gehen, war definitiv eines meiner persönlichen Highlights des Wochenendes.

In den ersten Runden war Roy sogar noch in greifbarer Nähe. Ich konnte ihn im Pulk vor mir sehen und versuchte, den Anschluss möglichst lange zu halten. Natürlich hatte ich dabei auch den kleinen Gedanken im Hinterkopf, vielleicht irgendwann an seinem Hinterrad aufzutauchen. Allein diese Aussicht gab mir nochmals zusätzliche Motivation.

Der Start gelang mir solide und ich konnte mich sofort gut ins Feld einbringen. Bereits in der ersten Runde machte ich Positionen gut und fand mich mitten in einer engen Kampfgruppe wieder.

Vor mir fuhren Alexander Thienes und Gaststarter Niklas Becker, direkt hinter mir lauerte Christian Sperl. Nach der ersten Runde lagen wir eng beieinander. Es entwickelten sich tolle Zweikämpfe und das Rennen machte richtig Spass.

In Runde 2 folgte dann der Moment, auf den ich das ganze Wochenende hingearbeitet hatte: 2:21.152 – neue persönliche Bestzeit!

Auch in den folgenden beiden Runden blieb ich mit 2:21.9 und 2:21.3 in diesem Bereich. Drei 2:21er-Runden hintereinander zeigten deutlich, dass diese Zeit kein einzelner Zufallstreffer gewesen war.

In Runde 5 setzte ich im Zweikampf meinen Bremspunkt etwas zu spät und musste weit gehen. Kurz darauf begann die eigentliche Misere: Mein Hinterrad verlor massiv an Grip.

Zweimal musste ich heftige Rutscher abfangen. Mir blieb nichts anderes übrig, als das Tempo deutlich zu reduzieren und die Gruppe vor mir ziehen zu lassen. Meine Rundenzeiten fielen von konstanten 2:21er-Zeiten in den Bereich von 2:25 und 2:26 zurück.

Der zuvor aufgebaute Vorsprung auf die Verfolger schmolz Runde für Runde. Jonny Hidvegi kam immer näher, doch mein Abstand reichte aus: Mit noch gut zwei Sekunden Vorsprung rettete ich mich über die Ziellinie.

Das Ergebnis war trotz allem stark:

Rang 18 in der GMM-600-Wertung, drei 2:21er-Runden und eine neue persönliche Bestzeit von 2:21.152.

Gleichzeitig ärgerte ich mich über mich selbst. Um Geld zu sparen, war ich mit einem bereits angefahrenen Hinterreifen ins Rennen gestartet. Eine Entscheidung, die mich beinahe noch deutlich mehr gekostet hätte.

Die Lektion daraus ist eindeutig: Bei den Rennen werde ich dieses Risiko nicht mehr eingehen.

Trotz des Gripverlusts hatte ich Glück im Unglück. Ich blieb auf dem Motorrad, fuhr erneut in die Top 20 und hatte mein ursprüngliches Wochenendziel um beinahe zwei Sekunden unterboten.


Sonntag – Zwischen Regenalarm und schwindenden Kräften


Am Sonntagmorgen wollte ich an den Flow des ersten Rennens anknüpfen. Auf dem Motorrad fühlte es sich eigentlich gut an – nur der Laptimer war anderer Meinung. Mehr als 2:25er- und 2:26er-Zeiten kamen nicht zustande.

So richtig erklären konnte ich mir das nicht. Gleichzeitig merkte ich, dass meinem Körper nach der Hitze, dem Bienenstich und dem ersten Rennen zunehmend die Kraft fehlte. Den ersten Turn hatte ich bereits ausgelassen, um meinen Rücken zu schonen und möglichst viele Reserven für das Rennen aufzusparen.

Kurz nach dem Mittagessen wurden um 13 Uhr sämtliche Rennteilnehmer zusammengerufen. Eine Regenfront war auf dem Weg zum Slovakiaring.

Laut Wetterlage hätte sie unser Rennen eigentlich noch nicht treffen sollen – aber auf eine Wetterprognose allein wollte sich verständlicherweise niemand verlassen. Also begann kurz vor dem Start die hektische Vorbereitung der Regenräder.

Der zusätzliche Stress wäre nicht unbedingt nötig gewesen: Während des Rennens wurde es zwar immer dunkler, der Regen blieb aber aus.


Rennen 2 – Ein Kampf bis zur letzten Kurve


Mein Start war in Ordnung, auch wenn ich keine grossen Positionsgewinne erzielen konnte. In den ersten Runden hielt ich den Anschluss an die Gruppe vor mir und befand mich gleichzeitig in einem engen Duell mit Laurentiu Martalogu.

Nach der dritten, vierten und fünften Runde trennten uns jeweils weniger als zwei Zehntelsekunden. Ich konnte ihn hinter mir halten, doch in den schnellen Passagen fühlte sich mein Vorderrad zunehmend schlecht an. Das Vertrauen fehlte vollständig und ich verlor nach und nach den Anschluss an die Fahrer vor mir.

In Runde 6 zog Laurentiu vorbei.

Zu den Problemen mit dem Vorderrad kam nun auch die körperliche Erschöpfung. Mein rechter Oberschenkel und mein rechter Oberarm standen kurz vor der Arbeitsverweigerung. Ich ärgerte mich fürchterlich darüber, denn fahrerisch wäre an diesem Tag mehr möglich gewesen.

Trotzdem wollte ich nicht aufgeben.

Ich versuchte, an Laurentiu dranzubleiben, seine Linie zu studieren und einen Angriff für die letzte Kurve vorzubereiten. Mein Plan stand – allerdings hatte ich im Eifer des Gefechts nicht bemerkt, dass sich noch ein weiterer Fahrer von hinten näherte.

Marcin Stecki lag zu Beginn der letzten Runde noch fast drei Sekunden hinter mir. Sein Überholmanöver kam entsprechend überraschend und brachte mich aus meinem Rhythmus.

Mit der letzten verbliebenen Kraft versuchte ich nochmals zu kontern. Tatsächlich fuhr ich in der achten und letzten Runde meine schnellste Zeit des gesamten Rennens: 2:22.045.

Es reichte nicht ganz.

Marcin überquerte die Ziellinie lediglich 0,795 Sekunden vor mir, Laurentiu lag nur knapp mehr als eine Sekunde voraus. Ich beendete das Rennen auf Rang 20 in der GMM-600-Wertung.


Geschwindigkeit vorhanden – Konstanz wird zur nächsten Aufgabe


Unmittelbar nach dem Rennen überwog der Ärger. Das fehlende Vertrauen ins Vorderrad und meine schwindenden Kräfte hatten mich mindestens zwei mögliche Positionen gekostet.

Mit etwas Abstand überwiegt jedoch das Positive.

Ich verbesserte meine bisherige Bestzeit auf dem Slovakiaring von 2:25.8 auf 2:21.152 – eine Steigerung um mehr als 4,6 Sekunden. Mein eigentliches Ziel, eine 2:23 zu fahren, unterbot ich deutlich.

Dazu kamen zwei weitere Top-20-Ergebnisse mit Rang 18 und Rang 20, spannende Zweikämpfe und vor allem viele neue Erkenntnisse. Auch gemeinsam mit Roy im Startfeld zu stehen und ihn zu Beginn des ersten Rennens noch vor mir sehen zu können, machte dieses Wochenende für mich persönlich besonders.

Das Wochenende hat mir gezeigt, dass die Geschwindigkeit vorhanden ist. Nun geht es darum, diese Leistung über eine komplette Renndistanz abrufen zu können. Die Themen für die kommenden Wochen sind klar: körperliche Fitness, mehr Vertrauen ins Vorderrad – und im Rennen keine Kompromisse mehr beim Hinterreifen.

Der Slovakiaring gehört noch immer nicht zu meinen Lieblingsstrecken.

Aber eine 2:21.152 nehme ich sehr gerne mit.



Fotos von Benny Kätzmer



 
 
 

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